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Some current press on Hans Platzgumer's novel "Der Elefantenfuß":
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>Berlin (dpa) - Fast schon gespenstisch findet der österreichische Autor Hans Platzgumer das Zusammentreffen der Ereignisse: Just an dem Tag, an dem sein Buch «Der Elefantenfuß» erschien, kam es in Fukushima zur Reaktorkatastrophe. Dabei sollte «Der Elefantenfuß» an den 25. Jahrestag von Tschernobyl (26. April) erinnern. Nun erscheint der Roman auf einmal auch wie ein Menetekel für das, was gerade in Japan droht.
«Der Elefantenfuß» sei ein Tschernobyl-Roman wider das Vergessen, schreibt der Verlag noch in seinem Klappentext. Die Botschaft des Romans dürfte nun auf fruchtbaren Boden fallen: Eine Reaktorkatastrophe wirft ein zivilisiertes Land zurück ins Mittelalter. Platzgumer entführt uns in eine surreale, archaische Welt, die einem Science-Fiction-Roman entsprungen zu sein scheint. Die radioaktiv verseuchte Zone ist zu einem Niemandsland geworden, das sich die wuchernde Natur langsam zurückerobert. Eine Wildnis, die bizarre, wahnwitzige Gestalten anzieht. Es treten auf: Ein Gottessucher, der sich bei der Ruine in die Luft sprengen will, drei ukrainische Soldaten, die in dieser entgrenzten Welt alle Hemmungen fallen lassen, ein Langstreckenläufer mit einem Loch im Kopf, der gegen seine traumatisierenden Erinnerungen anrennt. All diese Personen sind so apokalyptisch wie die Zone, in der sie sich bewegen. Ein düsterer, sehr gut recherchierter Roman, angereichert mit vielen Fakten über die Reaktorkatastrophe und ihre Folgen.<


Hans Platzgumer : Swamp Thing

Platzgumer, geschichtsmächtig und -prächtig wie immer. Auf dieser 12″ (auch als Download erhältlich) entführt uns dieser charmante Prankster in die schwülen Blues-Sümpfe, kontaminiert von pumpenden Electrobeats, einer schwerst heiser-verführerischen Stimme und wabernden Delayeffekten. Das klingt in etwa so, als wenn sich die Cramps mit Bob Log III auf ein Packel hauen und den Mississippi hinunterschippern. »There Before You«, durchtränkt von brüchigen WahWah-, Vibrato- und was auch immer Gitarrensounds und beinahe quietschenden Vocals, knüpft nahtlos an »Crazy Hunger« an, eine Funk-Nummer in Superslowmotion, irgendwo zwischen Angst- und Fickschweiß. Platzgumer in der Zeitkapsel Richtung HP Zinker? Noch am ehesten. Was klingt seine Gitarre einfach geil. Und dieser Gesang: Wollüstig wie Prince. Da wird’s heiß in der Hose. »Swamp Thing II« erscheint im Frühling 2010 ebenfalls auf Echokammer. Unbedingt dranbleiben. 
(Heinrich Deisl, Skug, 09/09)

Hans Platzgumer : Soundtrack

„Soundtrack“, das sind zunächst einmal zehn soundtechnisch wie mit dem Chirurgenskalpell gefertigte State-of-the-Art-Tech-Ambient-Instrumentals.
Ihr Schöpfer Hans Platzgumer wünscht sich indes, dass sie nicht separat gehört, sondern als eine einzige, in sich geschlossene Komposition wahrgenommen werden.
Besser noch: als ein Film. „Soundtrack“ ist zugleich die letzte Produktion, die der österreichische Multimediakünstler auf CD veröffentlichen wird,
und sein vermutlich letzter Vertreter der Spezies „Konzeptalbum“. Ein Format, das Platzgumer stets am Herzen lag.
Bevor iTunes endgültig übernimmt, zelebriert er hier noch einmal dieses dem Aussterben geweihte Konzept, das sämtliche Sinne angreift.
Im Booklet, fast schon ein Buch, finden sich 23, an einer Abreißkante praktisch perforierte Artworks, die sich heraustrennen und zu einem personalisierten CD-Cover umfunktionieren lassen. Danach aber sollte der Erwerber des finalen Platzgumer-Silberlings vor allem die Musik auf sich wirken lassen, für die der Künstler zu Recht den aufgrund massiver Überstrapazierung in Misskredit geratenen Begriff „Kopfkino“ reklamiert. Mit „Soundtrack“ wird Kopfkino real. In den mitunter wie in Echtzeit improvisiert wirkenden Digital-Electronica knackt’s und knispelt’s an allen Ecken und Enden. Nicht zuletzt steckt in den Tracks so viel Sound-Dreck, dass man kaum glauben mag, dass es  sich um Rechnergeburten handelt. Unter High-End-Headphones abgehört, ist „Soundtrack“ tatsächlich Kopfkino pur. Demnächst, mit etwas Glück, auch in der lokalen Kunstgalerie Ihres Vertrauens zu „sehen“.
Sound 10 von 10 - Music 10 von 10 (Keys Magazin, 04/09)

keys

HANS PLATZGUMER's novel 'WEIß' :

Und Abba spielt die Todesmelodie...
In seinem zweiten Roman, „Weiss“, erkundet der Musiker und Komponist Hans Platzgumer die Eiswüsten Spitsbergens und die Möglichkeiten seines Helden, wenigstens in der Arktis dem Konsumzwang zu entgehen.
„Ich für meinen Teil möchte mich nicht zu Tode fressen.“
Sebastian Fehr lebt in einer Trapperhütte auf Spitsbergen, und wie Eisbär und Polarfuchs verbringt er sein Leben mit Warten. Dem Rentier, das er gerade beobachtet, läuft hingegen die Zeit davon. So lange der Schnee noch Moose und Flechten freilässt, versucht es, sich einen Winterbauch anzufressen. „Der scharfe Schutt wird dir dein Gebiss zerbrechen, dachte ich. Wenn du frisst, dann bringst du dich um. Wenn du nicht frisst, dann stirbst du bloß früher, schneller, schmerzloser.“ Um einen frühen, schmerzlosen Tod zu finden, ist Sebastian Fehr nach Longyearbyen gekommen. Er ist 39, Produktionsassistent bei einem Frankfurter Rundfunk-Unternehmen und ein nicht eben geselliger Mann. Ein diffuses Missbehagen beherrscht ihn, das er mit Wellness-Angeboten oder Schiurlauben zu betäuben versucht. Ohne Erfolg. Überall trifft er auf Menschen – und die sind ihm nichts als „Krankheitserreger“. Essen, Alkohol, Sex – für Fehr ist das alles unerträgliches Dauerkonsumieren, das er an sich selbst genauso abstoßend findet wie an andern. „Nein, wirklich, ich fühle keine Mitschuld, wenn die Menschheit sich einem Ende im Überfluss entgegenschleudert“.
An überströmender Lebenslust hindert Fehr vor allem sein feines Ohr. Nachts liegt er wach und konzentriert sich mit steigender Verzweiflung auf den tropfenden Wasserhahn in seiner Wohnung; ein Spazierganz im Park endet damit, dass sich ein Kaugummi kauender Teenager neben ihn auf eine Bank setzt, um ins Handy zu brüllen. Und als er in ein Berghotel flüchtet, dröhnt vom Tal herauf der Verkehrslärm der Autobahn. Da kann er doch gleich im Büro bleiben oder in der Kantine einen Kollegen zuschwallen. „Er hörte sich beim Reden zu. Das war besser, als sich beim Hören zuzuhören, so wie er es in den Nächten tat.“ Seine Flucht nach Spitsbergen hat Sebastian Fehr keine Erlösung vor dem In-sich-hinein-Hören gebracht. „Gimme, gimme, gimme a man after midnight“, dröhnt es durch seinen Kopf. Vor Kälte, blendend hellem Schnee, vor Eisbären und Schmerzen hat er da schon lange nicht mehr Angst. „Meine einzige Angst ist, dass Abba wiederkommt. Und dass ich das Schiff verpasse. Dass ich hier nicht mehr wegkomme und mit Abba sterben muss.“
Das Schiff, die russische „Sabotin“ soll Fehr keineswegs zurück Richtung Heimat bringen, sondern weiter, viel weiter nördlich, nach Franz Joseph Land, auf die Insel Ostrow Brjusa. „Kegelberge, Basalttürme, Schluchten und Klippen, die ohne ein Pflanzenkleid auskommen“ sollen seine Landschaft werden. Hier will er den Mitmenschen entkommen, ihrem Reden und konsumieren, ihrer rasierten Glätte, ihrer Teilnahmslosigkeit, will sich ausstrecken, einfrieren, kristallisieren. Mit ausgiebigem Konsum von Schmerzmitteln bereitet sich Fehr auf seine schmerzfreie Vereisung vor; ausgemergelt und gleichzeitig vom Medikamentenmissbrauch aufgedunsen betritt er die „Sabotin“ – und Platzgumer wird ihm mit einer furiosen Schlussvolte den Wind aus den Segeln nehmen.
Ohnedies begegnet er seinem mürrischen Helden mit stetig wachsender Ironie, sieht im allerdings fasziniert über die Schulter, wenn Fehr alle die Bücher über die Entdeckung des Nordens, über die abenteuerliche Fahrten mit Segelschiffen und Schlittenhunden liest, über die Jagd nach Robben und Eisbären, über unrentable Kohlenbergwerke, die aus Prestigegründen errichtet wurden, über Atombombentests, über Wetter- und Forschungslabors. Und er blickt mit Fehr geduldig ins blendende Weiß, stolpert durch den kurzen Sommer, verliebt sich in die arktische Glockenheide und befühlt das Scheuchzer’sche Wollgras. Und weil Platzgumer beweglicher und interessierter ist als sein Held, besucht er auch in St. Petersburg das „Arktische Museum“ des greisen Professors Karmasow, der mit dem russischen Brachialkapitalismus der Putin-Ära hadert.
Platzgumer ist ein Autor, der sehr genau recherchiert – und seine Leser mit der Lust am Erforschen ansteckt. Wenn die Ergebnisse dann in kühl kalkulierten Bildern arrangiert werden, begegnen wir wieder dem unglücklichen Sebastian Fehr. Spontan würde man sich von diesem arroganten Junkie lieber fernhalten, nur leidet der an einer Krankheit, die die meisten kennen. Und er ist so unangenehm ehrlich. Er benennt die Symptome, er beschreibt die Schmerzen – und er hat eine recht bescheidene Hoffnung, die sicher jede Leserin und jeder Leser mit ihm teilen kann: Bitte nicht mit Abba im Ohr sterben.
( Ingrid Bertel - ORF )

Ö1 - 'Texte'

datum

'Weiß' Fm4 Feature

HANS PLATZGUMER's novel "EXPEDITION" :

Hans Platzgumer: Expedition Die Reise eines Underground-Musikers in 540 KB -
Hans Platzgumer, weitgereister Säulenheiliger der hiesigen Musikszene, zieht mit dem autobiografischen Roman "Expedition" und einer CD-Anthologie Zwischenbilanz. Ein ordentlicher Mensch sei er, "sehr ordentlich sogar". In der Autobiografie des vagabundierenden Underground-Helden Hans Platzgumer überrascht eine solche, prominent platzierte Aussage dann doch. "So wie ich gerne einen aufgeräumten Schreibtisch habe, so gerne habe ich einen klaren Kopf", sagt der Musiker im Falter-Interview. "Ich habe als Teenager wohl zu oft ,Tetris' gespielt, deshalb muss ich immer aufräumen. Und später habe ich dann zu viele Tragödien mit Drogensüchtigen jeder Couleur erlebt." "Expedition", das soeben erschienene Buch des Ausnahmemusikers, weiß zwar auch mit Drogengeschichten, Rattenjagden in New Yorker Kellerwohnungen und wilden Tour-anekdoten über Platzgumers Reise von Innsbruck über beide US-Küsten, Brixton, Hamburg und München an den Bodensee aufzuwarten. Vor allem aber scheint der Autor, zwischen Erinnerungen an gute und andere Tage mit seiner bekanntesten Formation H.P. Zinker und der seitdem dominierenden Beschäftigung mit elektronischer Musik, darum bemüht, sich schreibend seines Platzes in der Welt zu versichern. Ein wenig Ordnung ins Chaos zu bringen, das macht schon angesichts des schieren Umfangs von Platzgumers Diskografie Sinn. Der ständig auf der Suche nach neuen Kicks befindliche Musiker hat in seinem Schaffen die Vielseitigkeit und den Stilwechsel zum Grundprinzip erhoben: Von Rockplatten (mit H.P. Zinker, Convertible und solo) über den Glam-Pop der Retro-Combo Queen Of Japan bis hin zu kühler Elektronik in allen Facetten, Soundtracks und Hörspielen reicht nach fast zwanzig Jahren Berufsmusikertum sein Ruvre, das ausschnittweise auch auf einer neuen Doppel-CD "Expedition 87-04" nachzuhören ist. Auf seiner literarischen "Expedition" ist die Musik hingegen überraschenderweise nicht alleiniger Mittelpunkt. "Die Musik ist der Aufhänger", sagt der heute leicht philosophisch angehauchte Mittdreißiger, der vom ungestümen 18-Jährigen seiner ersten Schallplatte "Tod der CD!" (1987) einen weiten Weg gereist ist. "Immer wichtiger wurde mir während der Arbeit an dem Buch der reflektive Aspekt. Das ist eine zweite Ebene, die sich parallel zu der rohen Geschichte der Romanfigur Hans Platzgumer entwickelt. Es geht um ein Bewusstwerden, um Hinterfragen, ein Schlüsseziehen, um Leben, Freiheit." Mit Platzgumers eigenen Worten ist es "die kleine ordentliche Welt eines kleinen ungewaschenen Mannes", die er in seinem ambitionierten Band - per Selbstdefinition ein "autobiografischer Roman" - vor dem Leser ausbreitet. Manchmal nähert sich der Erzählton zwar ein wenig dem Sprechduktus von André Heller, den der Musiker bei der Arbeit an dessen Platte "Ruf und Echo" kennen und schätzen lernte, meist jedoch bleibt Platzgumer sprachlich in angenehmer Bodennähe. Der Großteil der "Expedition" wirkt sogar derart mühelos geschrieben, dass man kurzzeitig vergessen kann, hier das Werk eines Neo-Autors und literarischen Autodidakten zu lesen. Tatsächlich stecken in dem Buch viel Blut, Schweiß und Tränen: "Anfangs konnte ich noch nicht schreiben, also im literarischen Sinn. Das war noch ohne jegliche Reflektion. Ich habe an keinem meiner Projekte so lange gesessen wie an diesem Buch. Hunderttausend Stunden habe ich damit verbracht." In diesen Stunden am Schreibtisch unternahm Platzgumer im Kopf noch einmal seine zahlreichen Reisen und Übersiedlungen. Heute, wo er als Vater zweier Kinder am Bodensee sesshaft geworden ist, versteht er die Ruhelosigkeit seiner Sturm-und-Drang-Jahre besser: "Einerseits war es Neugier und die Lust an Abenteuern, die mich antrieb. Andererseits waren die vielen Übersiedlungen auch immer eine Flucht, wenn mein Leben stagnierte und mir die Aufregung abhanden kam. Es dauerte fast zwei Jahrzehnte, bis ich die Notwendigkeit körperloser Reisen und eines tieferen Verständnisses von Freiheit erkannte." Seine gutbürgerlichen Tiroler Wurzeln, mit denen er als Teenager einige Kämpfe auszufechten hatte, sind heute kein großes Thema mehr für Johann Platzgummer, aus dem wegen eines Druckfehlers auf der Hülle seiner ersten Platte Hans Platzgumer wurde. Fast schon altersmilde lesen sich die Passagen über dieses Kapitel seiner Vita und die Beziehung zu seinen Eltern. In Innsbruck sei er heute zwar nur "zwei, drei Tage im Jahr", dann aber seien das "immer auch spezielle Momente, keine Frage". Heimat begreift der Musiker mittlerweile als hybrides Gefühlskonzept, das man nicht nur für einen einzigen Ort empfindet, sondern "für meine Familie, den Bodensee, meine Arbeit und die damit verbundenen temporären Ortswechsel". Auch in seiner Musik praktiziert Platzgumer heute ein ähnliches Nebeneinander. Wo er früher künstlerische Positionen verschwenderisch oft und manchmal scheinbar willkürlich wechselte, arbeitet er nun am liebsten parallel an disparaten Stilen wie Gitarrenrock (für ein neues Convertible-Album), tanzbarer Elektronik (im Duo hp.stonji), knackigem Elektro-R-'n'-B (im Trio e:gum) und Soundtracks. Der einstige Superstar der österreichischen Musikszene, den so mancher während seiner US-Phase vor zehn, zwölf Jahren schon als Teil der internationalen Rockprominenz sah, fühlt sich heute wohler als Teil eines kleinere Brötchen backenden, aber gut vernetzten Undergrounds. Obwohl: "Underground und Superstar muss sich nicht widersprechen. Auch Kurt Cobain war ein Underground-Musiker. Nur blieb ihm, als er seine Unabhängigkeit verlor, nur mehr die Schrotflinte. Das Musikerleben ist ein ständiger Grenzgang, doch wenn man im Kopf klar und seinen Ideen treu bleibt, dann kann man nicht so leicht abrutschen." Rezensent: Sebastian Fasthuber - Falter 13/2005

 

On 'Der Elefantenfuß':
Es gibt Themen in den Ritzen der öffentlichen Welt, die sind allein schon beim Zitieren ein Stück Literatur. Tschernobyl, das Desaster im Dreieck Russland, Weißrussland und Ukraine aus dem Jahre 1986, ist so ein literarisches Weltereignis, worin Tod, Sinn, Exklusivität, Skurrilität, Romantik und Zeitlosigkeit mit einem einzigen Wort zusammengefasst werden können.
Hans Platzgumer entflicht diesen Mythos Tschernobyl mit einer klar strukturierten, aber im Sinne der Kernspaltung aufgebrochenen Kammer-Story. Unter dem magischen Titel „Elefantenfuß“, wie der wuchtige Klumpen genannt wird, der vom explodierten und notdürftig eingeschweißten Reaktor geblieben ist, wird eine gespaltene Geschichte erzählt, worin in einem weiten Land ein paar Menschen auf Leben und Tod zusammentreffen.
Da kann es schon passieren, dass man als Leser zwischendurch mehrere Lesezeichen braucht, weil oben und unten auf dem Seitenbild andere Geschichten verlaufen und man diese nur mühsam synchron zu lesen vermag.
Also liest man ein Stück voraus, wie ein sogenanntes Gott suchendes Paar an die Grenze der technischen Schöpfung fährt, während an der Unterleiste Überlebende reflektieren, wie 1986 der Reaktor in die Luft geflogen ist, quasi als radioaktives Ende des Schöpfungsberichts.
Später tauchen an der Unterleiste Touristen auf, die mit dem Dosimeter kontrolliert gerade noch an die Grenze des Schädlichen gehen wollen.
In der Grundstory wollen zwei sogenannte Gottsucher die Schöpfung von hinten her aufrollen, sie reisen daher von Genf nach Pripjet, um anhand der kaputten Sachen zu begreifen, wie es gemeint war. Dabei gibt es durchaus moralisch-naive Sätze, wie es Soft Hippies made in Tschernobyl zwischendurch aus der Seele fährt. Letztlich sedieren sie sich mit Medikamenten gegen die Todeszone.
Alex und Igor sind nicht nur im Textbild unten, weil sie ihren Platz nicht irgendwo in der Hauptstadt Kiew sondern hier in der Todeszone festlegen. Sie haben nach dem GAU ihre Angehörigen bestattet, jetzt experimentieren sie mit dem eigenen Leben. So öffnet sich Alex beispielsweise in einem Wahn-Anfall selbst den Schädel (84), was ihm aber in dieser absurden Welt nichts auszumachen scheint. „Ich habe ein Loch in meinem Schädel, da fliegt alles raus, was für mich schädlich ist.“ (127)
Touristen, Ex-Bewohner und Abenteurer streifen durch die Todeszone, den Dosimeter in der einen, eine Waffe in der anderen Hand. Und wie in einem Hybrid-Universum sehen wir Leser Dinge, die es im Biologie-Atlas gar nicht geben dürfte.
„Es scheint echt zu stimmen, was man über die Zone sagt, nämlich dass hier ein jeder zum Philosophen wird.“ (135)
Hans Platzgumer, der mit seinen Figuren schon im Chip der Musikindustrie und im Eis der Pole war, schickt seine Gedankenträger wieder an das Äußerste. Kann das Karwendl der nächste Schauplatz sein? fragt der besorgte Leser, der wie immer Lust nach Extremschüben des Erzählens hat.
 
Hans Platzgumer: Der Elefantenfuß. Roman. Mit Fotos aus der Todeszone.
Innsbruck: Limbus 2011. 238 Seiten. EUR 19,80. ISBN 3-902534-43-9.
Hans Platzgumer, geb. 1969 in Innsbruck, lebt als Musiker und Autor in München und am Bodensee.
Helmuth Schönauer, Tiroler Gegenwartsliteratur, 08/03/11
 
 


»Musiken für Theater«
»Soundtrack«

Hans Platzgumer an den Rändern zwischen Hörbarem und Unsichtbarem: »Musiken für Theater« stellt sechs Musikstücke für das Mannheimer Nationaltheater zusammen, während das durchgängige Stück »Soundtrack« bewusst darauf angelegt ist, den Projektor im eigenen Kopf für imaginäre Filme zum Rattern zu bringen.
Die Theater-CD führt Platzgumers breit gefächerte musikalische Umsetzung vor Augen, poetisch-fragile Vertonungen von Henrik Ibsen-Texten sind genauso dabei wie Dekonstruierendes von Albert Ostermaier. Dazwischen geistern melancholische Mandolinenklänge, digitale Eiszeiten, Electro kontaminierter Delta-Blues, Mariachi-Klänge, Electro-Noir und Americana-Reflexionen durch die einzelnen Stücke. 28 meist nur um die zwei Minuten dauernde Soundskizzen (einige davon fungieren schon jetzt als schillernde Maden zukünftiger Songs) fügen sich durch eine verbindende Dramaturgie ineinander und evozieren einen imaginären Strom, der als Filmmusik genauso gut geeignet wäre. »Soundtrack« verdichtet diese Assoziationen: Angelegt ist das Projekt als Platzgumeletzte CD-Produktion: Was 1987 mit »Tod der CD!« prognostiziert worden war, ist mittlerweile beinahe Common Sense. Über 66 Minuten entspinnt sich eine Reise durch sonische Landscapes, geprägt von einer konzeptuellen Stringenz, die die Sounds, Maschinen und Klänge auch einfach mal laufen lässt und in die immer wieder scheinbar banale Umgebungsklänge (Handyklingeln, Schreibmaschinengeräusche) einbrechen, um den imaginären Film im Kopf stetig zu durchbrechen und zu zerschneiden. Und klar – das Thema Reise(n) ist auch hier allgegenwärtig - als Abstraktion der Abstraktion krautscher Motorik, nun jedoch zu Fuß und nicht mehr mit dem Auto oder dem Zug. Richtet man es sich in einem Track ein, findet man sich schon flugs im nächsten wieder. Der Musik gelingt es dabei immer die Spannung halten, stets einen Klimax andeuten, um einem dann wieder auf die Folter zu spannen und sich selber auf die Lauer zu legen. Music for films greift hier (wie meist in solchen Fällen) eh zu kurz. In diesen verwunschenen Klanglandschaften mit ihren aurale Tropfsteinhöhlen, Faltengebrige, Wellentäler lassen sich optische von akustischen Illusionen sowieso nicht unterscheiden. Dazu passt auch das komplett in Weiß gehaltene Cover, um Jedem seine eigene Reiseroute zu ermöglichen. Destinationstipps liefern die 23 im Booklet abgedruckten Coverentwürfe von Gerhard Klocker, Peter Sandbichler oder Catriona Shaw. Diese Entwürfe kann man aus dem Booklet rausnehmen und sich 23 Tage über ein jeweils neues Cover freuen. »Musiken für Theater« und »Soundtrack« markieren eine Art derzeitiges Opus magnum des umtriebigen und vielseitigen Hans Platzgumer.
(Skug - Heinrich Deisl / Didi Neidhart)

"Vielleicht ist es eine Art Sucht"
Hans Platzgumer blickt auf fast zwei Jahrzehnte im Underground zurück. "Zwischen den Zeilen geht es um die Entwicklung vom Punk-Söhnchen zum Familienmenschen": Hans Platzgumer über seine "Expedition". | (c) apa Die Reise eines Underground-Musi kers in 540 KB" lautet der Unterti tel von "Expedition", dem auto biografischen Roman des 35-jährigen Hans Platzgumer. "540 Kilobyte, das war die Größe der Word-Datei mit dem Manuskript", sagt der schlaksige Musiker: "Mir ist es als Vergleichsgröße extrem wichtig. In dieser Datei steckt praktisch mein ganzes Leben, aber sie ist so klein, dass sie auf jede Floppy-Disk passt. Ein Sound-File dieser Größe würde bloß drei Sekunden dauern. Und es wäre gar so nicht leicht, in der Kürze gute Musik zu machen." Oder sein Leben hineinzupacken: In Papier-Dimensionen misst "Expedition" 334 Seiten und schildert in einer Mischung aus Anekdoten und Reflexionen einen der faszinierendsten Lebensläufe der heimischen Musikgeschichte: Geboren als Sohn eines konservativen Beamten im schnell als beengend empfundenen Innsbruck, tauchte Johann Platzgummer früh in die heimische Underground-Szene ab, veröffentlichte mit 17 sein Solodebüt, das ihn (Fehlerteufel!) nicht nur zum Platzgumer machte, sondern auch, nicht zuletzt dank des Titels, einen gewissen Kultstatus erlangte: "Tod der CD!" "Wild und unhörbar" findet Platzgumer heute das mit Omas Geld produzierte Do-It-Yourself-Punk-Statement, vermerkt aber nicht ohne Stolz, dass auf dem in entsprechender Ästhetik bekritzelten Cover "trotz meines schlechten Englisch" zahlreiche Schlagwörter stehen, die erst Jahre später in den Allgemeingebrauch übergingen, "wie Lo-Fi und Independent". Das ambitionierte Unternehmen, das Platzgumer dann über Berlin nach New York führte, war keineswegs Lo-Fi: Mit seinem semi-legendären Rock-Trio HP Zinker versuchte sich Platzgumer bis Mitte der Neunziger als bestechender Verwalter epischen Siebziger-Sounds, eiferte Vorbildern wie Queen nach, "im Versuch, das perfekte Album einzuspielen". Im Grunge-Boom um Nirvana kamen HP Zinker als zwar nicht wirklich in die Welle passende, aber eben rockende Band samt Major-Vertrag dem großen Durchbruch bedenklich nahe. Just ihre letzte und beste, doch kaum erhältliche Platte "Mountains of Madness" fiel aber der Rückbesinnung der Branche zum Opfer, die - als sich "die neuen Nirvana" nicht im Dutzend einstellen wollten - Verträge ebenso hastig wieder löste, wie sie geschlossen worden waren. Mit der ausführlich beschriebenen Tourmüdigkeit (drastisch illustriert als "vermoderter Gestank an meiner Seele") auch Anlass für das Ende von Platzgumers Rock-Phase. Seither hat er sich in einer Vielzahl von Projekten wie "Cube & Sphere", "hp.stonji" oder "Shinto" einer Vielzahl elektronischer Stile zugewandt, in München Ende der Neunziger ein zweites Mal Hausse und Baisse eines Musik-Hypes erlebt, diesmal in der Elektro-Szene. Das illustriert etwa eine publikumsvernichtende Beschreibung eines DJ-Abends des Kollegen Richard Dorfmeister. Zitat: "Er konnte einen Plattenspieler bedienen und hatte damit bewiesen, dass er ein wahrhaftiger DJ, ja ein Halbgott war." Musik ist in "Expedition" weniger Thema als Anlass, um zwischen teils heiteren, teils angefressenen Anekdoten herumzuspringen. Musikhistorische Erkenntnisse fallen nebenbei ab, eher hat das Buch etwas von Bekenntnisliteratur, auch im Stil, der zwischen Unbekümmertheit und Ziselierung schwankt. (Unlängst hat Platzgumer auf einem André-Heller-Album mitgewirkt.) "Zwischen den Zeilen", erklärt Platzgumer, "geht es ja um die Entwicklung vom rotzigen Punk-Söhnchen zum ausgewogenen (Familien-)Menschen. Und um das Akzeptieren der eigenen Unwichtigkeit, um eine Bescheidenheit, die man erlernen muss." Was sich auch in seiner musikalischen Entwicklung spiegelt - vom großen Konzeptalbum-Traum bei HP Zinker zur kleinteiligen Elektronik-Arbeitsweise: "Wie eine kleine Firma. Wichtig sind die Pausen, etwas weglegen, später mit frischem Blick daran gehen, das eröffnet neue Perspektiven. So kann's mich auch nicht von einem Tag auf den anderen auf die Schnauze hauen, da mach ich halt was anderes weiter." Das ist für Platzgumer auch die Lehre aus seiner "Expedition", die in einer fiktiven Begegnung mit dem Traumziel Nordpol endet: "Es gibt nur ein Scheinziel. Es ist wichtig, eines zu haben - aber wenn man hinkommt, ist nicht mehr wichtig, ob es noch da ist. Denn unterwegs hat man so viel gelernt, sich so sehr verändert." Hausbacken gesagt: Der Weg ist das Ziel? "Das ist mir zu hausbacken, eine fast christliche Logik. Lieber zitiere ich meine alte Lieblingsparallele mit berühmten Entdeckern: Wenige Wochen, nachdem Amundsen den Pol erreicht hatte, brach er zur nächsten Expedition auf. Vielleicht ist es eine Art Sucht. Das Ziel ist nur ein Ziel, weil es deinen Horizont erweitert. Und dadurch erkennst du andere Ziele. Insofern kann das ultimative Ziel nur sein, immer weiter zu kommen. Und dabei zu erkennen, dass man nie ankommen kann."
( CHRISTOPH HUBER / Die Presse 02.04.2005)

Hans Platzgumer: Buch & Doppel-CD - Eine Betrachtung
Selten, dass einem heimischen Musik so viel Aufmerksamkeit zu Teil wird: halbe Seite „Presse“, halbe Seite „Standard“, eine Seite „Falter“ und vieles an Medienecho mehr. Auf Hans Platzgumer trifft der Begriff des „Kritikerlieblings“ in vollem Umfang zu. Die Aufmerksamkeit, die er immer wieder erhält, steht ihm hundertprozentig zu, denn diese vielfältige Karriere (alleine die Diskografie!), die einem Siebzigjährigen zur Ehre gereichen würde, ist nicht nur für österreichische Verhältnisse eine Ausnahmeerscheinung, dabei ist Hans Platzgumer gerade mal 36 Jahre alt. Diese bunte, Output-reiche Karriere ist Anlass genug, zweifach Zwischenbilanz zu ziehen: In Buchform („Expedition. Die Reise eines Underground-Musikers in 540 KB“) und als Werkschau auf zwei CDs („Hans Platzgumer: Expedition 87-04“), wobei der erste Tonträger die Rock/Grunge-Phase von Platzgumer im Bandkontext, der zweite seine Annäherungen an die Welt der elektronischen Musik zum Klingen bringt. In den unterschiedliche Tracks werden die Erzählungen der Karriereschritte, der Höhepunkte und der Tiefschläge, die einfach beeindruckend im Buch dargestellt werden, plastisch und hörend nachvollziehbar gemacht. Die Inhalte des Suchens und Findens sowie die inneren und äußeren Reisen des Protagonisten sind besonders in der schriftlichen „Expedition“ für Musikschaffende und Musikbusinesseingeweihte von einer kriminalistischen Spannung, die das Auslesen des Buches in einem Zug geradezu herausfordert. Sehr berührend wirkt die Offenheit in der Beschreibung der Musiker- und Menschwerdung des Hans Platzgumer, die elegant und selbstverständlich das künstlerische Leben mit dem privaten verbindet. Der Umstand, dass das Buch ohne die Unterstützung des Bundeskanzleramtes und des Landes Tirol offensichtlich nicht möglich gewesen wäre, spricht eine ähnlich deutliche Sprache wie die Publikation selbst. Dieses Paket des Innehaltens, Mitteilungsbedürfnisses und Dokumentationswillens eines österreichischen Musikers mit weltweiten Referenzen und Anerkennungen zur Noch-Nicht-Lebensmitte ist eine Besonderheit, die nicht nur im heurigen Jahr nicht zu übertreffen möglich scheint. Dieses Buch-CD-Kombipack ist ein (Über)Lebenspaket, das in jeder Musik(business)ausbildung auf den Lehrplan und die Literaturliste gehört. Lernen im Gespür der prickelnden Gänsehaut, eine Mutinjektion und ein Vorbild für nicht nur junge Musikausüber. Hätte der Amadeus eine Kategorie „Lebenswerk zur Halbzeit“, der erste Gewinner stünde bereits fest.

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Expedition on FM4

Convertible2 on FM4
(audio -mp3)

SHINTO: SEKAI
Nach wie vor eines der bemerkenswertesten Musikprojekte unserer Zeit. Platzgumer (Musik) und Tokujiro (Vocals/Texte) nahmen sich schon auf früheren Alben mit radikal-surrealer Poesie und handfesten Themen die Absurditäten und (Un)Tiefen dieser Welt vor. Mit einem genuinen Mix aus Elementen traditioneller Kultur und zeitgemäßen, ja futuristischen Produktionstechniken gelingt auch hier ein faszinierendes Panorama, das die Epizentren von Makro-Mikrokosmos, radikalem Denken und Leben und dessen Versagen oder auch der Spannung zwischen Illusion und Alltag dialektisch umkreist, unter poetische Spannung setzt und dabei immer wieder neu öffnet. Dass der Gestus dabei keineswegs verworren, sondern vielmehr klar und kompromisslos ist, sollte klar sein. Interessant auch eine immer stärkere Hinwendung zu linksradikalen Themen, so das Stück ’daichi no buta' über den linken Terroristen Saburo Kato, ein Stück über Guantanamo und vergleichbare Praktiken in Japan, oder den Giftgas-Anschlag in der Tokyoter U-Bahn. Es lohnt sich definitiv, diesen unglaublich spannenden Kosmos zu erforschen. Erste Hinweise können die Lyrics auf www.shinto.at geben.
Terz (Düsseldorf, Germany)


Convertible - Convertible 3

Der Platzgumer-Hans mal wieder – über die vergangenen anderthalb Dekaden überzog uns der mehr als umtriebige Österreicher wahlweise mit Noiserock (HP Zinker), Drum’n’Bass (Cube & Sphere), Japan-Techno (Shinto) und Downbeat (Aura Anthropica), spielte bei den Goldenen Zitronen und hatte seine Finger in gefühlten hundert weiteren Projekten unterschiedlichster Stilrichtung. Ach ja: an seinem zweiten Roman nach „Expedition“ arbeitet er gerade. Zuletzt hieß aber back to the Roots, denn mit seiner aktuellen Band Convertible spielt Platzgumer auch auf dem bereits dritten Longplayer wieder eher schlichten Gitarrenrock mit zum Teil poppigen Elementen, allein von einem Drummer und einer Bassistin begleitet. Nix Electronica, keine Experimente, dafür hören wir zumeist gradlinige Rocksongs sogar mit akustischen Gitarren und Chorgesang, nur ganz selten lässt er den Zinker von der Leine und tritt das WahWah-Pedal durch. Besonders schön sind die leicht psychedelischen Nummern wie „No Thoughts“ und die mit Streichern unterlegte Elegie „Morning Light“. Dass Platzgumer fast alles kann, muss er (zum Glück) nicht mehr beweisen, heute ist er ganz er selbst, und österreichische Medien ziehen erste Parallelen zu den Beatles. (Joe Whirlypop, GLITTERHOUSE)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


MADE MY DAY (by HONKER)
Schafft alle Chefs ab! Genug mit diesen verdammten Hierarchien der angeblichen Besserkönner und -wisser, den Systemen der OhnejedenGrund-Mehrverdiener. Es kann halt nur in ein besseres Morgen weitergehen, wenn endlich gleichberechtigt in kollektiver Verantwortung und individueller Solidarität gehandelt wird. Drum tritt ein die Tür, wo Chef steht, und gucke, was von da an geht. Nieder mit den Hierarchien! Und wo wir schon mal dabei sind: Nieder mit dem Neofeudalismus! Aber immer doch, darunter machen wir's heute einfach nicht mehr. Diese verdammten Banken sind die Fürstentümer von heute, denen staatsweise unhinterfragt das Geld hineingestopft wird, während die Untertanen mehr für alles und jedes bezahlen müssen: so und nicht anders sieht Unterdrückung und Ausbeutung aus! Die Manager der 30 größten Dax-Unternehmen kassierten seit 2000 satte 280 % mehr Gehalt, während die entmündigte Unterschicht knallbunt untergeht und die verarmte Mittelschicht sich sanft und stilvoll zerreißt. Teile und herrsche! Geht was weiter? Kurzer Blick ins Geschichtsbuch: Anfang der 30er Jahre des 14. Jahrhunderts zog eine heftige und noch nie gekannte Wirtschaftskrise die Stadt Florenz nieder. Die Gewerbe der Reichen fielen in sich zusammen, für den Stadtstaat war es laut einem Chronisten das schlimmste Unglück aller Zeiten. Der Grund? Gier und Fehler, Unersättlichkeit, heftigste Kredite und Schuldenmacherei, die Finanzierung immer unsinnigerer und kostspieligerer Unternehmungen. Als die herrschende Bankiersfamilie Bardi schließlich und endlich Bankrott ging, verlegte sie sich kurzerhand aufs Falschgelddrucken. Das Leben kann so einfach sein. Als das bald rauskam, schickte man die kleinen Helferlein auf den Scheiterhaufen, die Familie indes wurde bald wieder als Teil des Establishments akzeptiert. Doch die Geschichte geht weiter. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport, mehrheitlich übrigens immer noch in öffentlichem Besitz, will - entgegen aller Debatten über Spitzenlöhne - die Gehälter im so genannten Top-Management anheben. Für das Bodenpersonal jedoch werden im Top-Management erhebliche Einschnitte bei der betrieblichen Altersversorgung und Einbußen beim Lohn bis zu 20% diskutiert. Je nach Einzelfall drohen Lohneinbußen bis zu 550 Euro im Monat. Leute, merkt ihr's denn immer noch nicht? Nieder mit dem Gefieder! Klingt doch ganz gut! Den so genannten Neo-Fürsten kann man die Verachtung doch nur noch vor die Füße rotzen, während man schon ihre Halsleine knüpft. Ein letztes Mal noch holen sie dann ihre Neo-Schwänze aka Blackberrys raus, die in China von IT-Wanderarbeitern für Löhne zwischen 93 und 145 Euro im Monat in 90-Stunden-Wochen gefertigt werden. Die Arbeitszeiten gehen dort von 8 Uhr morgens bis 21.20 abends, an 5-6 Tagen die Woche, in der Hochsaison wird Wochenends durchgearbeitet. Da die Firmen nicht die vorgeschriebenen Überstunden- und Feiertagszuschläge zahlen, liegt der Verdienst logischerweise unter dem gesetzlich festgelegten Mindestlohn. Es gibt halt Länder, da ist der Neofeudalismus schon Wirklichkeit, und zwar, damit Euroschweine und Technikfetischisten den Schrott von Dell, Intel, Lenovo, Apple, Sony, Motorola, Nokia und AMD, deren Komponenten in China gefertigt werden, immer billiger haben können, damit sie wenigstens noch in einigen Sektoren ihrer beschissenen Existenz, die sie tatsächlich "Leben" nennen, dieses wohligschmierige "Krise? Welche Krise?"-Gefühl bekommen können. Noch ein paar Etagen tiefer hört der Spaß dann vollends auf, da kann noch nicht mal das witzige Gewichse über der Techno-Carrerabahn mithalten: da die internationalen Hilfsprogramme für die angeschlagene Wirtschaft mittlerweile insgesamt mehr als eine Billion Dollar veranschlagten, werden halt die Budgets nicht etwa für die Entwicklungshilfe, nono, sondern gleich für die Hungerhilfe gekürzt. Falls bis April die 5,2 Milliarden Dollar für das Welternährungsprogramms der UN nicht mehr aufgebracht werden - ein Bruchteil der Wirtschaftshilfe -, werden Millionen Menschen in Haiti, Kongo, Äthopien, Kenia und anderen Krisenregionen keine Unterstützung mehr erhalten. Für Menschen, die von weniger als einem Dollar am Tag leben, geht's dann sprichwörtlich um die Wurst. Aufstehn, nach draußen gehen: auf der Straße grüßt tatsächlich das Banner: Geiz ist geil. Die Lage ist prekär. Radikalität und gedankliche Triebabfederung gibt's nur per Kultur. Ich hör mich schrein: das kann's ja wohl nicht sein. Aber bis es anders wird:
HANS PLATZGUMER: SOUNDTRACK (konkord) 1987 erschien Platzgumers erster Tonträger, betitelt "Tod der CD!". Nachdem er von Progressive-Garage-Rock über Polit-TripHop über New-School-Beats über Elektro-Separationen und Digital-Art-Songtyping und Klangkunst'n Roll so einige und vor allem stets überzeugende und spannende Wege gefunden und gegangen ist und auf diesem Weg, nebenbei, die Musikindustrie und ihre materielle Tonträger-Fixierung auf den Dackel gekommen ist, wird diese Sammlung von 10 instrumentellen Soundtrack-Tracks seine definitiv letzte CD sein. Danach wird Platzgumer nur mehr auf Vinyl oder MP3 veröffentlichen. Hier hören wir eindringliche, hochintensive und zwischen ent- und hochspannendem Impuls changierende Texturen auf dem absolut besten Niveau, das digitale Produktion derzeit möglich machen kann. Kann man kopfhören, muss aber nicht sein, sondern ist. Lange keine so überzeugenden und unüberflüssigen Klangspuren mehr gespürt.

 

Convertible / Lichtspiele:
Das zweite Studioalbum von Convertible aka Hans Platzgumer liefert uns Elektro-Indie-Rock vom Feinsten.
Convertible verbindet geradlinig Post-Rock, Electronica und 60ies Psychedelia mit klassischem Songwriting. Bei alledem blitzen seine musikalischen Referenzen an sein international erfolgreiches Bandprojekt HP Zinker auf.

Convertible / Planet Music:
Wandlungsfähig. Wie der Name seines Projekts, so ist es auch der Mann dahinter: Denn hinter Convertible steht Hans Platzgumer, jener österreichische Kreative, der sowohl als Musiker mit seinem Projekt HP Zinker als auch als Buchautor von sich reden machte. Jetzt also sein 'Convertible': elektrifizierte Gitarren, elektronische Soundlandschaften, Computermond. Das Album klingt rund, schwebend, vereinnahmend. Als würde man von großer Höhe pbers Land schauen, als könnte man fliegen!

Convertible / BF CD tipp:
Hinter Convertible steckt Hans Platzgumer, der hier einmal mehr beweist, dass er nicht nur Gitarrenvirtuose ist. Klassisches Songwriting hüllt er bei Convertible auch in Downtempo Elektronik und , ja, auch Gitarren. Kann alles, der Mann. Das Album auch!

Convertible / Musichannel:
Seinerzeit, als der gebürtige Tiroler Hans Platzgumer in den 80ern gemeinsam mit seinem Buddy Frank Puempel als HP Zinker durchstartete, war der Ruhm nahe. Von Innsbruck zog es ihn über das pulsierende Berlin in das Herz der Welt, den Big Apple. In der Musikberichterstattung schlugen die Österreicher damals sogar die aufstrebenden Nirvana. Wenn man Kurt Cobains Band trotz dessen vorzeitigen Ablebens dennoch bei den Superstars findet und Platzgumers Werke nur im Spezialitätenregal, dann liegt das wohl daran, dass Vater Staat ihn im Rahmen des Zivildiensts für ein Jahr zum Obdachlosenbetreuer machte. Was das Zeitfenster zum Weltruhm wieder zustieß und die Karriere langsamer rotieren ließ.
Der melancholische Track „Strength of Defeat“ erzählt unter anderem diese Geschichte, zieht aber auch die richtige Lehre aus Höhepunkten und Rückschlägen. Denn Platzgumer ist kein Raunzer, was einen gebürtigen Österreicher quasi automatisch als Weltbürger ausweist. Statt im Selbstmitleid zu versinken, bleibt er lieber wandlungsfähig und erfindet sich ständig neu, um seine multiple Schaffenskraft in geordnete Bahnen zu lenken. Das kann bei Anderen durchaus mal mühsam klingen, hier wird die Anstrengung zu aufregender Poesie. Das kommt geschrieben etwas kitschig rüber, gesungen und gespielt dafür umso besser. Einblicke in den Kosmos Platzgumers gibt dessen 2005 erschienene Autobiographie, die ich – obwohl allerorts hoch gelobt – selbst noch nicht gelesen habe. Darin wird das Leben eines Studioreisenden beschrieben, der nicht „in einer Routine aus lustloser Professionalität und gekünstelter Begeisterung ergrauen“ will. Nach seiner Zivildienst-Pause wechselte er fortan also die Kontinente wie andere Leute Unterwäsche, tobte sich nicht zuletzt bei „Die Goldenen Zitronen“ und „Queen of Japan“ aus, schrieb Filmmusik und startete eine Karriere als DJ und Produzent. Den Schlussstrich unter dieses Kapitel setzte Hans Platzgumer 2004, als er mit seiner neuen Gruppe „Convertible“ wie Phoenix aus der Asche auftauchte und auf seine geliebte Sechssaiterin entstaubte – als Familienvater mit zwei Kindern und mit der Abgeklärtheit eines rastlosen Weltenbummlers mit unstillbarem Forscherdrang. Seither badet er mit seinen wandelbaren Mistreitern Polina Lapkovskaya (Bass) und Thomas Wühr (Schlagzeug) in einem magischen Meer der Melancholie, das z.B. im Stück „Magellan“ sogar Klassik und Elektronik vereint. Österreichische Weltbürger gibt es wenige, doch neben Größen wie Joe Zawinul sollte man auch Hans Platzgumer dort eine Ehrenloge reservieren. Denn was er aus einer Niederlage gemacht hat, schaffen andere nicht, aus ihren Erfolgen zu formen.


HP:STONJI:
Hans Platzgumer returns to his HP Stonji moniker to deliver this killer new 6-track EP for the Spezial Material collective. 'Metic' opens at a giddy height, classic style eighties electro-funk drums, topped with the most dramatic, mind altering waves of sound, crazy noises set to dose digital block parties everywhere - it's just one of those massive sub-breaking cuts you just cannot mess with...at all. Awesome. 'Errorbeauty' develops the ideas still further, marrying benign waves of melody to a tuff bass drum which guarantees devastation for the brave. 'Httr' blows things wide open, the dirtiest, fattest break cuts loose while a whomping bass-line, shot through with proper dark warehouse sounds swamps you into submission. Impossible to write about - proper club tackle for biggest systems only. 'Mith' again enjoys a crystalline production, synapse impulses cut to wax, rolling stuff to be sure. 'Hagry' harks back to a golden era - simplifying matters into a miami infused glide out, then lulled into a complacent sense of security - proceeds to dismantle and fully decimate the whole thing, totally and utterly. Tip!
(www.boomkat.com)

Hans Platzgumer and E Stonji return as HP Stonji to deliver this mighty, complementary album to their well received 6-track EP for the SpezialMaterial collective. 14 tracks in all, and with ten exclusive to this release, this cd encompasses fully the collective's penchant for digital artistic and musical exploration, with some additional features for MAC & PC. Stonji are of course at home in the warehouse or arthouse, but the dirty fat breaks, whomping basslines and dark atmospheres align them most accurately with the former. 'Errorbeauty' lashes benign waves of melody to a tuff bass drum which guarantees devastation for the brave, and sounding more deadly than ever in digital format. 'Metic' operates from a giddy height, classic style eighties electro-funk drums, topped with the most dramatic, mind altering waves of sound, crazy noises set to dose digital block parties everywhere - it's just one of those massive sub-breaking cuts you just cannot mess with...at all. Awesome. 'Mith' again enjoys a crystalline production, synapse impulses cut to wax, rolling stuff to be sure - proper club tackle for biggest systems only. 'Hagry' harks back to a golden era - simplifying matters into a miami infused glide-out, then lulled into a complacent sense of security - proceeds to dismantle and fully decimate the whole thing, totally and utterly. Probably the definitive Spezialmaterial release so far....

"TIPS FOR 2003
Ok, so you're never going to see this guy on Top of
the Tops or even signed to a major label, but this
year he'll release one of the finest electronica
albums I've heard for ages. Hailing from Germany
(obviously), Platzgumer released two albums in his
native country last year the latter of which,
Software, is set for release in the UK 'sometime in
2003' on the Doxa label. Sounding like a melting pot
of all the great electronica acts (Aphex Twin,
Sqaurepusher etc) mixed in with some seriously nice
vocals and more than a passing nod to the electro
movement, Software is one of the most beautiful,
danceable, dirty records to grace my ears recently.
Standout tracks like Justified Reprise (brilliant
dirty electronics make small talk with some great
danceable breaks) and No Tears (electro beats gettin_
album he also has the single Miss Me in which he teams
with singer Catriona Shaw to produce a wonderful R&B /
minimal break house combination that works
brilliantly. Not a New York based garage band whose
name begins with 'The' I know, but still fucking good.
Ali Burge

> King Of Japan review <
> King Of Japan review <

E:GUM :
E:gum - Keyboard Lies (Klein Records / 70) Hach, wie wunderbar! Es ist immer wieder fein fein fein, wenn sich Menschen finden & zusammentun, die man einfach mag - oder seien es zumindest ihre Musik oder heiß geliebte Attitüden, an denen man Gefallen findet. Tja, & mit den Herren Platzgumer & Döring, die es mir ja schon als HP.Stonji mehr als angetan haben, & Queen of Japan Catriona Shaw hat sich für mich wohl eines der Dream Teams ever gefunden. Up&Down Fever Disco & lasziv hüftbetonter Gummi Twister Funk, booty Fat-As-Fat-Can-Be-Electro & Good Bye Grime Cut Up R'n'B. Selten waren die kleinen & großen Lügen des Lebens so verdammt sexy.

 


DENIAL OF SERVICE:

Dedicated to "the greatness and inspiration of 1979s Jazz Rock", Denial Of Service, fortunately or otherwise, doesn't actually sound much like such
much-mocked Prog stalwarts as Focus or Magma. This is a strangely-propelled album, setting out a highly individual modern take on an often glutinously overblown format and making it shudder and twitch, though with an apparent love for the genre too. Its tightly-controlled rhythms and basslines have strayed far away from the smug smoothness or muso cleverness so often found in such digital interpretations of the Hyper-modern Jazz form typified by, say, Reprazent or Squarepusher. Instead, Denial Of Service strips matters down and rebuilds them afresh, with a mischievous gleam of iconoclasm rendered into the mix.
Hans Platzgumer is often more interested in creating texture among the mix of real and digital instruments, swerving from the moody atmospheres of
"Stanned", where slowly-unwound electronics rise side by side with crisp drums and some hazy FX. Where there are vocals provided by Anne LaPlantine
or Catriona Shaw on the elided ghostly echoes "Stay Onlife" and the clattery-Funky "Lazy" respectively, their appearance as cut-up instrument or
straightforward singer blurs distinctions and shifts moods in the first section quite neatly. "Stay Onlife" in particular holds a certain unsettling charm in the interplay of fragmented words and the equally stuttering rhythm section among the wandering abstract tones and feedback wind.
The Jazz Rock influence comes to the fore on "Soulfile 01", where the easy filtered bass and drum groove is soon joined by an eccentric Rhodes before
taking off into more dementedly randomized explorations of the form, where the emphasis seems to be one crazy dissociative delves into the sound and
tempo. By the time the track concludes, the sounds and rhythm have become so abstracted as to be not easily recognizable from the beginning, uncoiling
back down to the drone of the electric piano and a muted urgency on the part of the drums. A piece like "Connected Strage" would also be most suitable for backing up an Avant-Rapper, while the chilled Electro drums and shuddery bass walk of "The Gambler" features some twisted Noirish digital brass
arrangements. With fleeting glimpses into sampled soundbites which provide the title, breakbeats emerge from the gloom before winding back down into a ticking rhythmic substrata as "Grrm" to conclude the album proper in a welter of multitracked percussion and a heady electrified whirl of what is effectively a drum solo. Swarming with digital sparks, the rhythms soon tranmogrify into thunderously Funky Techno, bleeps and all, before a shimmering fade and a search for Georg Gaigl's video for the Hecker collaboration "Llal.4875.abrr*" from Datacard on the CDROM section of the CD edition.
-Antron S. Meister-
www.freq.org.uk

Ist Hans Platzgumer nun entgültig über Alternativ-Rock über die Elektronik beim jazzrock gelandet? Weather Report (schon auf Platzgumer's letzten Album hieß ein track so) und chick corea, Lary Coryell und Pat Metheny lassen grüßen?
Platzgumer selbst, Jahrgang 69, hat diese Geisel der 70er Jahre nicht miterlebt, jedenfalls nicht bei Bewußtsein. Über die Parallelitäten von Jazz generell und elektronischer Musik, dnb, wurde ja schon viel geschrieben und mit JazzRock im konventionellen Sinne hat 'Denial Of Service' nun glücklicherweise auch nichts zu tun. Mit komplizierter Elektronik eher schon. Drum & viel Bassism, Kontrabass.. Wo Soulfile01 mit seinen Keyboards ganz offensichtlich nach JazzRock riecht, ist das rhythmische elektronische Rauschen von 'Connected Strange' oder das geniale düstere 'Coma' mit dunklen Mollfarben, einem darken bass und Knistertönen weit davon entfernt. Überhaupt: Die Düsternis! Platzgumer's neue Platte sstrahlt sehr viel Dunkelheit ab und selbst das aufgehelltere 'lazy' mit Sängerin catriona shaw ist darkester Stoff, ohne dass Platzgumer nun mit diesem Werk beim jährlichen leipziger Schwarzkittel-Karneval landen sollte. das drum-bassige 'captain Solitude' mit Saxofonschleife gehört ebenso wie 'Stay OnLife' mit zu den herausragenden Trackes eines bemerkenswerten Albums.
Thomas Bohnet, SPEX 12-01


Waaaahhhhhh! Der böse Klangmassakrierer ist wieder am werk!
Kaum zu glauben, dass das ein Mensch gemacht hat.
IQ-Style, 11-01

"Ambient, röchelnd, industriell, mit Saxofon-Solo und Maulwurfshügeln aus
Störtönen. Verglichen mir den Kontrabass-Platten, die andere geläuterte
Drum`n`Basser gemacht haben, ist das ein wahrer Fortschritt. Schwer zu
schlucken, aber Lecken genügt."
(Rolling Stone)

Versteckspiel total überflüssig
 Alles außer Good-Time Music: Hans Platzgumer in der Astra-Stube
Pop-Musiker wollen meistens nur die eigene Spur verwischen, wenn sie sich Pseudonyme und lus-tige Projektnamen ausdenken: Identitätenspiele, neckische Publikumsverwirrung, und die Platten klingen am Ende doch alle gleich.
Bei Hans Platzgumer ist es andersrum. Der hat so viel komplett unterschiedliche Musik gemacht in seiner 14-jährigen Karriere, dass es wesentlich verwirrender wäre, wenn überall der gleiche Name draufstünde. Platzgumer-Platten sind nie Updates zu irgendeinem Vorgänger, sondern Funksignale aus einem persönlichen musikalischen Universum, das weiter expandiert. Man muss aufpassen, das man sich nicht in Aufzählungen verliert, wenn man sein Schaffen zusammenfasst.
So zum Beispiel: Mit Aura Anthropica hat er fluffigen TripHop mit agitatorischen Polit-Texten gemacht. Als Separator produziert er stompenden Techno-House, mit den DivinitésIrritées greift er zurück auf den Electro-Sound der experimentellen Achtziger. Am kuriosesten erscheinen in Hans Platzgumers Werkkanon dabei ausgerechnet die Platten seiner Gitarren-Band HP Zinker, die ihn Anfang der neunziger Jahre in den USA und in England bekannt gemacht haben.
Motörhead-Sänger Lemmy hat mal gesagt, dass er bei Tumulten im heimischen Schlafzimmer am liebsten HP Zinker auflegt. Verhängnisvolle Affären müssen das sein, denn Good-Time-Musik ist das einzige, was Platzgumer nie gemacht hat. Weil er Künstler ist und kein Unterhalter. Klassische Gitarre und Elektro-Akustik hat der vor 32 Jahren in Innsbruck geborene Platzgumer studiert - scheinbar nur, um 1987 mit dem Lo-Fi-Album "Tod der CD" alles über den Haufen zu werfen, was er an den Hochschulen gelernt hatte.
Sechs Jahre Aufenthalt in New York und Los Angeles genügten dann, um ihn einerseits zum Indie-Star zu machen und ihm andererseits die Lust am kommerziellen Musik-Business auszutreiben. "Unerträglicher Karrierezwang, das totale kapitalistische Denken", resümierte er seinerzeit, zog nach Hamburg und wurde Teilzeit-Mitglied bei den total antikapitalistischen Goldenen Zitronen.
Heute hat er in der Nähe von München ein eigenes Studio, produziert für das Electronica-Label Disko B und geht manchmal auf Reisen, um Freunden zu assistieren. Für Tocotronic zum Beispiel schrieb er bei Plattenaufnahmen in Frankreich wundervolle Streicher-Arrangements. Vor kurzem hat Platzgumer das Album Denial Of Service veröffentlicht, auf dem er die Verweislinie zwischen Drum'n'Bass und Jazz mit so verspulter Präzision zeichnet, wie das die Kollegen aus London bis heute nicht geschafft haben.
Die Platte erschien unter seinem vollständigen, korrekten Namen. Noch ein Indiz dafür, dass es dem Künstler Hans Platzgumer um alles Mögliche geht, nur nicht ums Versteckspiel.
(TAZ, 12-01)

Hans Platzgumers aktuelles Album heißt "Denial of Service" und ist dem Jazz-Rock der 70er gewidmet. Zwischen Rauschen, tiefen Bässen, allerhand Geräuschen und Rhythmik wird der Bastard des Jazz nur selten zitiert. Birkenstökler sollten also einen Bogen darum machen.
(Morgenpost, 12-01)


E:gum - Keyboard Lies
Hach, wie wunderbar! Es ist immer wieder fein fein fein, wenn sich Menschen finden & zusammentun, die man einfach mag - oder seien es zumindest ihre Musik oder heiß geliebte Attitüden, an denen man Gefallen findet. Tja, & mit den Herren Platzgumer & Döring, die es mir ja schon als HP.Stonji mehr als angetan haben, & Queen of Japan Catriona Shaw hat sich für mich wohl eines der Dream Teams ever gefunden. Up&Down Fever Disco & lasziv hüftbetonter Gummi Twister Funk, booty Fat-As-Fat-Can-Be-Electro & Good Bye Grime Cut Up R'n'B. Selten waren die kleinen & großen Lügen des Lebens so verdammt sexy.
DE:BUG, 2005

SHINTO:
Combining a relentless sense for raw breakbeats and elaborate electronica with Tokujiro's poppy melodies and mysterious lyrics, a new mixture of East Asian-European pop music is created, using drum&bass elements as well as dark wave influences. Digital Austrian melancholy being inspired by Japanese clarity.
SHINTO confronts bizarre japanese pop-elements with raw european
electronica. CaMi Tokujiro and Hans Platzgumer invent themselves as a
pop-duo without compromises. Platzgumer digitalizes and rips Tokujiros voice apart and puts it together in a new body.
On their live appearances in Europe and Japan this year SHINTO will perform in 3-D suits, a powerbook, bassguitar, live video edits and a terrarium of crickets.'Der Platzgumer ist nicht zu bremsen. Pop halt. Wer hätte gedacht, das
ausgerechnet Platzgumer uns zeigt, daß japanische Populärkultur zu weit mehr taugt als zum Klangmöbelstück in der Easy-Lounge-Hölle.'
(Groove)
'Platzgumers kraftvoller, eines elegischen Lyrismus nicht entbehrender Sound versteht sich überraschend gut mit Tokujiros Politik der verschränkten Arme. Ein starkes Stück!'
(WOM-Magazin)
'Platzgumer hat selten eine so relaxte Funk-Electronic losgeschüttelt.'
(Skug)
'Platzgumer hat wieder einen neuen hochqualitativen Output für seine
Groove-Obsessionen gefunden. Eines der überzeugendsten und obskursten Pop-Projekte seit langem.'
(Terz)
Kreissäge für die Nerven
Die Münchner Elektropop-Band „Shinto“ hofft auf Japan
Der Weg derer, die Avantgardisten genannt werden, ist steinig und einsam. Dass sie nur die Anerkennung weniger ernten, weil nicht viele ihren Weg gehen, ist ihr Los. Aber sie wollen es wohl so. Wahrscheinlich wären Hans Platzgumer und Carl Tokujiro Mirwald einigermaßen beleidigt, wenn man ihrer Musik Einfachheit unterstellte. Ihr Anspruch scheint es gerade zu sein, dass man sich auf sie einlassen muss. „Ganz kann man die fast nicht durchhören“, sagte Mirwald bei einem Gespräch vor einigen Monaten über das erste Album von Shinto, „Liberal bullshit“. Uninteressanter macht das die Platte nicht. „Die Leute, die’s schätzen, schätzen’s“, sagt er nun über die neue Platte „Kibou“, und das klingt schon ganz anders. Nach Hoffnung. Hoffnung, japanisch: Kibou. Shinto haben sich auf den Weg gemacht. Vom so genannten Underground, der Heimat vieler intelligenter, aber nicht ganz leicht verkäuflicher Platten, in Deutschland in den Underground in Japan. Der Weg mag steinig sein. Der Flieger aber ist reserviert.
Auf dem Münchner Label Echokammer erschienen soeben Remixes zum Song „Keiren“ von Diska, e.stonji und anderen. Vorerst nur in Japan aber erscheint das Album „Kibou“. Die japanische Avantgarde-Größe Kamiyama Hoppy produzierte das Album. Ihm gefiel, was Shinto auf ihrer letzten Tour durch Japan, wo Mirwald aufwuchs, machten: entrückten genrefreien Elektropop, fernab vermeintlich typisch japanischen Easy Listenings. Hans Platzgumers vom Rhythmus zusammengehaltene, oft kriminell gefreestylten Örmse, Knürpse und Bips sorgen verlässlich für Tanztauglichkeit. Aber seine verwirrenden Geräuscheinwürfe und Carl Mirwalds tiefe sonore Stimme, die sich gegenüber den technischen Sounds ungemein weltzerbröselnd, fast schon religiös ausnimmt, erzeugen das Gefühl einer unheimlichen Entrücktheit. Die Idee des transzendenten Pop steckt schon im Namen: Shinto, die Bezeichnung für die älteste Religion Japans, meint wörtlich den „Weg der kami“. Carl Mirwalds erweiterte Initialen, die er bei Shinto als Name benutzt – CaMi – bedeuten „Gott“. „Zufall“, sagt Mirwald. „Obwohl: Zufall gibt’s ja nicht, oder?“
In Shintos preisgekröntem Hörspiel „Shonen A“ war die Musik ein Krimi und zugleich die Filmmusik zu sich selbst: Aufwühlende Electro-Ambientflächen von Platzgumer füllte Mirwald mit monoton, aber fröstelerregend vorgetragenen japanischen Texten; zurückhaltend, aber zugleich wie eine Kreissäge für die Nerven, die die Spannung schon im Moment ihrer Erzeugung wieder aufbricht und ein Schmunzeln erzeugt. Mirwalds Texte sind – sofern die englische Übersetzung Schlüsse aufs Japanische zulässt – oft grausamen Inhalts, aber gewitzt geschrieben und dadurch, gepaart mit der Vortragsart, an vielen Stellen latent komisch. Die Chance, dass Muttersprachler dies bemerken, ist ungleich größer.
Insofern: Kibou. Hoffnung für eine Münchner Band in Japan. Der Weg ist steinig. Der Flieger aber ist gebucht.
KLAUS RAAB, SZ 12.07.2003

Cube & Sphere:
cube&sphere - ganz neu!
The fourth release of cube & sphere after their eps for cheap, seperator and their full length album for disko b. This time hans platzgumer and gerhard potuznik team up with berlin freejazz-drummer peter hollinger, play some old-fashioned instruments themselves and use live recordings of a Platzlinger-'98-show to create a contemporary electronic version of 70s-style progressive music. Digital, intense and utterly psychedelic.'Potuznik und Platzgumer lassen nicht locker und scheinen sich mittlerweile mit ihrer Festplatte sogar zu duschen. Auf "Pankratius" beginnt die Platte mit obskurstem geknarze und sich in Oszillatoren selbst konsumierenden Geräuschen, aus denen langsam ein schwer süffisanter rockend jazziger Break aufsteigt, an dessen Haut die Sounds in Schauern der Begeisterung abperlen wie eine langsam zerstäubte Illusion eines sich selber überholenden Wahnsinns. Dann, Etagen tiefer, in einem Club, die andere Realität des Tracks, die immer nur auf kurze Zeit real sein kann. Musik wie Stages in einem Computerspiel das von Welt zu Welt wechselt, ohne den visuellen Soundtrack in seinen Grundstrukturen dabei verändern zu müssen, aber jeweils mit sovielen Effekten arbeitet, das ähnlichkeiten rein zufällig wirken, und ihre Geheimnisse erst nach dem 20ten Hören als nicht dechiffrierbar outen. Musik zwischen LSD und noch mehr LSD, und damit ganz klar die beste Platte auf diesem Sublabel. Skurril, wahnsinnig, extrem mutig und sensationell eingängig.
(de:bug)
'Von England kommt der Funk, von Deutschland die Kälte und aus Skandinavien kommen die "Sähkö"-Klangfelder mit ihrem geheimnisvollen Nordlicht. Daraus formen Cube & Sphere organische Stücke, die brilliant Breakbeats mit teils beruhigenden, teils
beunruhigenden Soundflächen versöhnen.' (5 *)
(Musikexpress)
'Ihr Angst-Drum'n'Bass wirkt hier noch ein bißchen besser...So nutzen sie die Länge des Formats, um ihre D&B Ideen in aller Pracht zu verwirklichen. Sie stellen einen eigenständigen Entwurf einer Szene vor, die gerade mit ihnen wohl kaum gerechnet hat."
(Goove)
'Auf 'Great Norwegian Explorers' vereinigen sich die Hände eines versierten Produzenten mit dem ungewollten Drang zum Schritt neben die üblichen Schemata...DAS musikalische Äquivalent endloser Polarflächen...'
(Spex)
'Subverted drum'n'bassness from gerhard potuznik and hans platzgumer, which gives genre definition the austrian double-headed nipple clamp with a cherry on top.'
(Melody Maker)
'Three tracks of utterly cool modern music that take about 15 minutes to rule and remake the world. the first runs a stand-up bass and breakbeats over a live analouge screechout that flickers inbetween harsh white noise and beautiful alien trebles. nice!
a second cut presents crazier synths, all blips and bloops, but running
like freejazz alongside brilliantly sharp and subsonic electro drum
patterns. final cut is the "coup de grace" - breaks that rock like carl craig at his funkiest, while the synths roll with loose grace of ray charles and classic hammondisms. the kind of tune the word groovy was invented for - especially as it'll probably inspire them to take all their clothes off.'
(Update)
'The Vienna label bang on foam once more with a fine three tracker that pushes at the boundaries of electro funk fusion with an ultra sharp ear for hip wiggling grooves. always wayward, never conventional, this is the kind of innovative electronica we so rarely hear these days. three tracks, each one flawless. A gem of a record.'
(Muzik)
'Wayward electronic from the blunted genius of Viennese duo Potuznik and Platzgumer. Stark dissonance joyriding the fractured electro contraflow, this is the sonic equivalent of uncontrollable shivering in the freezing wasteland of the North Pole. Like funky frostbite and a nose full of icicles, this album is as stunning in its beauty as it is freezing in its intensity. oh well - no pain, no gain...'
(Front)
'Breakbeat, yes, but twisted beyond human recognition. Norwegians Cube & Sphere take us on a sub zero journey through fjords, forests and up craggy cliff faces. Out of the club and into the countryside, this is d'n'b at its finest!'
(Melody Maker)
'Explorateurs de nouveaux sons, voici la nouvelle division de Disko B: Seperator! Son champs d'action se constitura de terrains musicaux inexplorés par ses confrères à ce jour. Pour la 1ère sortie, Potuznik et Platzgumer se sont portés volontaires sur un site dark experimental breakbeats. Le résultat est tout à fait éloquent.'
(le Tourne Disc)

DATACARD:
"This is a challenging work, so cutting edge you have to handle the cd with oven gloves. Think of what Aphex Twin might sound like attempting to make drum & bass whilst on medication so that he was a little more grounded. Not for the faint hearted or those who need a hookline, but if you think you're cool enough, have a good, fat listen."
(Echoes 5/2000)
"Teutonic leftfield techno type throws down the gauntlet of unexpected accessibility"
(MUZIK 6/2000)
"Es scheint unter den Experimentalisten dieser Erde eigentlich nur noch einen zu geben, der sich Drum and Bass tatsächlich noch anhört. Platzgumer. Genau. Auch wenn er auf Cover und Booklet eher so rüberkommen will wie ein slicker frühneunziger sw.dataterrrorist, er ist schon ziemlich im Now. "Hedonist Nightmare" jedenfalls ist auf jedem Drum and Bassfloor denkbar. Und devastating. (Bislang eine Vermutung, aber wir testen und berichten). Auf "Terrifier" geht es weiter in diesem radikal angebrochenen Stil, der heutzutage eigentlich durchaus als 2Step durchgehen würde. Vielleicht ein bisschen breakfreudig aber kompatibel. Dann gibt es ein paar Ausflüge ins Land der weiten Frequenzbereiche, Hecker zeigt, dass man das Ganze auch noch ein wenig elektroider angehen könnte mit 2Step (ja, Hecker, nicht Hacker) und dann kommen wir zu den ernsteren Themen des Albums, vertrackten Sound- und Strukturexperimenten auf der Basis von, nicht in der Form von. Aber eben dennoch stimmig. Seine beste Platte bislang, die an überhaupt keinem Gegensatz oder einem Vergleich mehr leidet.
(De:Bug 5/2000)
"Habe ich, zugegebenermaßen, Platzgumers erste Ausflüge in die elektronische Musik noch mit Skepsis betrachtet, so muß ich jetzt meien Hut ziehen und noch einen: ja, ich bin Fan und diese Platte ist die reinste Freude, denn nichts an ihr ist vorhersagbar oder gewöhnlich."
(Beam Me Up 5/2000)
"Klarer Fall. Hans Platzgumer ist ein guter Typ. So eine Art Jack Unterweger des Drum'n'Bass, der abseits der Bukems, Goldies, und Peshays im Dienste der Breakbeatwissenschaft um die Welt jettet. Fittester Dum'n'Bass im erweiterten Sinne."
(Spex 5/2000)
"Vielleicht nicht der Soundtrack zum unbeschwerten Frühlings-Picknick, trotz allem aber weit besser als erwartet."
(Visions 5/2000)
"Hans scheint nicht mehr zu stoppen zu sein. Trotz der eckigen Musik eine ziemlich runde Sache."
(Raveline 5/2000)
"Ein Drum'n'Bass-Album, was aber natürlich nur die halbe Wahrheit ist. Hans Platzgumer wäre kaum er selbst ohne Überraschungseffekt. Sein akustisches und visuelles Universum eben!"
(Intro 5/2000)
"Datacard ist endlich die materialisierte Drum & Bass Version, die die letzten Releases ankündigten. Hans alte Liebe Queen, ProgRock & Fusiongedaddel sind in einer unpeinlichen Art ins elektroide transformiert und abstrahiert worden."
(Terz 5/2000)
"Sympathisch radikal."
(Loop)
"Datacard macht Hoffnung, dass die "Musik der Zukunft" nicht mit der Zukunft untergeht."
(Zweihundert)

FINGERFOOD:
'Now, FINGERFOOD definetely is nouvelle cuisine, it appears as a masterpiece of reduction without the nowadays easy to apply minimalism tag. Platzgumer's approach to playing music is 'hot', the selection of spicy sounds and the knowledge of the boiling point serve as his kitchen secret. Main ingredients that he used are Funk, House, Electro and TripHop, all foodprocessed to a Hans Platzgumer 'moon stew'. Cheers, all the recipes you find on the booklet are courtesy of Sandra Bellet, Chef de Cuisine. The question is: Have the tracks been written before they were cooked or was it the other way round? Anyway, we strongly recommend this meal. Tasty!''Ich muß gestehen, daß vor lauter Faszination über das kleine
Kochbüchelchen der 'Hörgenuß' etwas hinten anstehen mußte. Was nicht heißen soll, daß 'Fingerfood' nicht die erwartet gute Platte geworden ist, die man sich erhofft hat. Breakbeats und Drum'n'Bass-Ansätze, ansonsten ein Feld auf dem sich Platzgumer in den letzten Monaten ebenfalls herumtreibt, bleiben draussen. Dafür wird alles, was bei Der Seperator mitunter etwas grobschlächtig klang, verfeinert......Und
auch ohne die Bonuspunkte für die Gesamtidee ist Platzgumer beim
Unterfangen, seiner noch gar nicht so lange aktiven Elektronik-Solo-Persona einen Platz in den den Geschichtsbüchern zu sichern, definitiv wieder ein gutes Stück voran gekommen.'
(Spex)
'Wie lange es wohl dauern wird, bis in den ersten kleinen Bars 'L'homme
Machine'(Champignons auf Toast) angeboten wird, oder junge Menschen kleine Schüsseln mit 'Alarmclock' (Lamm in Minz-Dip) verzehren? Kleine 'Fingerfood'-Delikatessen, deren Gelingen zu großen Teilen von der Akzeptanz des Küchenchefs gegenüber leckerer Elektronik anhängt. Siebenmal Bocuse aus den Händen eines schon immer dem Extravaganten zugetanen Musikers, sieben Gänge ungewöhnlicher Kreationen, die jeder Beschreibung spotten und beim Kontakt mit Gaumen und Trommelfell ein wahrer Genuß werden. Ausgereift. Schnell gegessen aber nicht schnell gekocht."
(Intro)
'...Schrill, kunterbunt und nie zur Ruhe kommend, stellt die Platte einen
Exremwert im Rahmen des Disko B Release Schedule dar.....'
(De:Bug)
'Der Platzgumer. Erst H.P. Zinker, dann Goldene Zitronen, zudem falcoescer Downtempo und jetzt elektroides Gebumme. Und immer gleich zugehörig zu den Guten des Genres. Zuviel geniale Vielfältigkeit, dieser Musiker. Unheimlich das.'
(Partysan)
'When was the last time you opened a CD box to find a cookbook tucked in the sleeve! The seven tracks on this CD are complemented by seven recipes for mouthwatering nouvelle cuisine. There is a great mix of funk, house, elctro and triphop, all expertly blended in a huge pressure cooker of flavours that is truly unique and seliciously prepared food for your ears.'
(Wax)
'Tout l'esprit d'inferno se niche dans le dernier projet de Hans Platzgumer. Naguère réputé pour son rock bruitiste sous le nom de HP Zinker, cet Autrichien vient de mitonner le double album techno Fingerfood. Soit 7 enregistrements savoureux accompagnés de leurs recettes et suggestions culinaires correspondantes. Mention spéciale pour les 11 minutes techno-house de Coup-de-Grâce et cette proposition d'huitres pochées dans un jus de champagne et de crème fraîche...'
(L'Hebdo)
'L'objet sonore non identifié du mois, originaire du label le plus créatif du moment, Disko B. Platzgumer et Potuznik pratique une sorte de groove incisif et ultra-funky, d'origine totalement extra-terrestre. C'est sûr, ces artistes Autrichiens possèdent quelque chose de définitivement différent de leurs confrères européens. Plus vonlontiers visionaires, expérimentaux et bidouilleurs, ils rappellent à leur mémoire tout un passé jazz et funk passé à la moulinette du dancefloor. Au-delà du big beat, de la house ou du hiphop, ces deux allumés ont concocté ici un cocktail groovy aux vertus spasmodiques et hallucinantes.'
(Coda)

AURA ANTHROPICA:
'Some of you may remember Hans Platzgumer from his previous outfit HP Zinker, monsterous and proficient in the post-Jazz deconstructionist vein of MC5 or Gone and woefully overlooked in the smarmy early 90s Indie Rock Scene. It's been awhile, but geez are we glad to have Hans back and active. AMERICAN BLINDFOLD can be best described as a violent sondscape - part thinking man's ambiance, part sadistic power trip. Think Ennio Morricone shipwrecked at Ozzfest or Rollins Band with a severe case of Classical gas. If AMERICAN BLINDFOLD is any indication, the future looks bright for Hans Platzgumer. The music is smart, open-minded and heavier than fuck. While 'intelligent Rock Music' is usually an oxymoron - and often a recipe for desaster - it seems Platzgumer will be worldly enough to actually pull it off, at least on a cult level. Finally, a band worth following.'
(Seconds)
'Maybe it's the cover art map of Antartica that demands such comparisons, but if Biosphere's last album had been a little less chilly it might well have been AMERICAN BLINDFOLD. Hans Platzgumer works in the same field as the Norwegian, has a similar eye for the extremities of evocation, might even revel in similar, silent, self-imposed isolation. Certainly, his lyrics are not those of a genuinly egregious young man, while musically, his least disjointed passages still echo an agitated Robert Fripp. One also gets the feeling that somebody heard rather a lot of house-music-producer Robert Miles while he was writing some of these songs. Platzgumer is a wicked rock guitarist - combine that with the obvious taste for ambient soundtrack work and slightly warped hip-hop loops, and if you can imagine Trent Reznor covering 'Here come the warm jets' in all its enossified eccentricity, AMERICAN BLINDFOLD hits the same ravaged peaks. Only you can ance to it as well!'
(Alternative Press)

 

QUEEN OF JAPAN:
The tacky Superlabel from Munich, Erkrankung durch Musique, proudly
releases Queen Of Japan, a journey into Pop, full of future hits of the past.
Including sensual electroid interpretations of Klaus Nomi, Soft
Cell, Laid Back, Olivia Newton-John and Freddy Mercury.
Jo Ashito (Shinto, Aura Anthropica, Seperator), Koneko (the mysterious
beauty from Club le Bomb), Jason Arigato (dubmaster of Lion´s Den
Soundsystem) return with their first longplayer, since they did their
cult-singles "I was made for loving you" and "Cool Cat".


Ob es einem passt oder nicht, aber Freddie Mercury gehört wohl oder übel zur musikalischen Sozialisation eines jeden von uns. Könnte man gleiches in einigen Jahren vom Wiener Label Angelika Köhlermann sagen, so würden wir vermutlich im heissersehnten besseren Morgen gelandet sein. Da es bis dahin noch ein gutes Stück Weg ist, gilt es vorerst einmal mit diesem weiteren Release japanischer Pop-Tracks vorliebzunehmen. Sie befassen sich auf eine durchaus als einfühlsam zu bezeichnende Art mit drei Tracks aus dem Schaffen von Queen vermögen es dabei eine ähnliche Champagnerlaune zu verbreiten, wie das auch schon Sam & Valley (AK001) konnten. Auch wenn einem die Titel auf der CD erst mal nichts sagen, ist man hier richtig und wird einen wie auch immer gearteten Bezug zu den Stücken entwickeln. Ich denke, dass die Frage ob einem das hier ge- oder missfällt eine des Humorverständnisses ist. Meinem entsprichts jedenfalls und so bleibt zu wünschen, dass die Queen of Japan zumindest einen Sommer lang in den Bars und Clubs dieser Welt eine Rolle spielen wird.


Reden wir über "Cool Cat", die neue Stimmfacette im Konzert des 80er Elektropoprevivals. Mit Softicegesang und nackter Gitarre hinter Casiodrumming ist es die Italo-Plakativversion der Young Marble Giants. (Wer zum Teufel ist Freddy Mercury?) Lässt sich völlig unironisch hören als der selbstdistanzierte Neofolk für alle Metropolenbewohner, die sich fragen, ob sie mit ihren Nietengürteln 2000 nicht vielleicht doch übers Ziel hinausgeschossen sind. Aufrecht und karg, moderner Loversrock. Die Coverversion von Klaus Nomis "Total Eclipse" macht aus dem Cabaretwave des Originals allerdings endgültig eine Lachnummer für Falsettimitationswettbewerbe. Das ist mir doch eine Ecke zu clever-exotistisches Neue Mitte.

Queen of Japan: "Head Rush"
Eine Bar: Er sieht sie an, sie sieht ihn an, sie will, er will. Dennoch dauert es bis zur letzten Runde, bis das junge Glück den gemeinsamen Weg nach Hause findet. Der nächste Morgen: Die Vögel singen, sie wachen auf. Der Kaffee ist aus. Aus dem Küchenradio dröhnt „Do you think I´m sexy?“ – aber nicht vom schottischen Kuschelrock-Schwerenöter Rod Stewart, sondern in der Elektro-Punk-Version von Queen of Japan.
Hinter Queen of Japan verbergen sich die energetische Chanteuse Koneko jr., der schweigsame Bassist Jason Arigato und Jo Ashito, auch bekannt als Hans Platzgumer, der seit Mitte der 80er Jahren zunächst mit der Indierock-Band H.P. Zinker, später solo, aber auch als Mitstreiter bei der Hamburger Punk-Band Die Goldenen Zitronen und hinter einer Reihe von Pseudonymen in diversen elektronischen Projekten für Aufsehen sorgt. Mit Pink-Perücke und etwas zu klein geratener Lederschwulen-Kappe mimt er hier den Gitarrengott.
Auf „Head Rush“, der jüngsten Veröffentlichung des glamourösen Trios, dreht sich, wie auch schon beim Vorgängeralbum „Night Life in Tokyo“, alles um das Thema Sex. Zur musikalischen Illustration diverser amouröser Standardsituationen wird dabei beherzt auf Altbewährtes zurückgegriffen. Marvin Gayes wundervoller Soul-Klassiker „Sexual Healing“ wird ebenso gekonnt in ein bassgetriebenes Sexy-Song-Ungeheuer verwandelt wie Rick James „Cold Blooded“, „Wild Boys“ von Duran Duran oder der Elektro-Soul Schmachtfetzen „Seedy Films“ von Soft Cell.
Als Draufgabe gibt es mitunter atemberaubende Adaptionen von „I was made for loving you“ (Kiss) und „Cool Cat“ (Queen). Mit „The winner takes it all“ (Abba) geht die Testosteron-geladene Sound-Extravaganz schließlich ins furiose Finale. Alles in allem kann “Head Rush” nicht nur als stimulierend, sondern auch als pädagogisch wertvoll empfohlen werden, oder wie es im Begleittext heißt: „The children will learn through pop about the trials of the heart.“

Queen OF Japan - Nightlife in Tokyo (Angelika charcoal burner man AK 009)
If one could face the project Queen OF Japan first extremely in a well-meaning manner, then it will maintain ever more with difficulty this attitude, because with these 10 Coverversionen of pieces, which one can arrange without exaggeration in the category world cultural heritage (Zappa's ' Bobbie Brown ' belongs there likewise to like Olivia Newton John's ' Physical '), the characters are set clearly toward average. Harm, because against practiced the reserved and passionless the here approximation to such sizes is to be objected not direct something, only if with to such a a musical halfheartedness accompanies, it affects befremdlich abgehalftert and the way in a Ghetto, in which most even already are the musician, whose hit is runtergenudelt here. The rare moments of the Komik and Sexyness are not able over the rough humor understanding and missing refinement hinwegzutroesten. In the long run the motivation for such a venture remains in the dark and only hope that Tokyos night life has to offer more. (De:Bug)

Von wegen: Auch Spaß muss sein…
Hans Platzgumers Spaßkulturunternehmen Queen of Japan packt auf "Head Rush" neuerlich Hits der 70er und 80er in ein unterkühltes Elektro-Pop-Outfit. Ist das schlauer Camp? Karaoke für Fortgeschrittene? Oder doch nur ein kurzlebiger Partygag?
"Workaholic" wäre untertrieben, "Musicmaniac" trifft es schon eher. Ein Blick auf seine unter www.hansplatzgumer.de penibel aufgelistete Diskografie zeigt jedenfalls: Das Werk des Weltenbummlers aus Innsbruck ist längst umfassender als die durchschnittliche Tonträgersammlung von Herrn und Frau Österreicher. Nach knapp zehnjähriger Indie-Rock-Karriere hat der Computer in der zweiten Hälfte die Gitarre als bevorzugtes musikalisches Ausdrucksmittel abgelöst und zu Elektronik-Projekte unterschiedlichster Genre-Zugehörigkeit wie Shinto, Cube & Sphere oder Der Seperator geführt.
Während es dabei zuweilen schroff und heftig zur Sache geht, hat sich das 1998 gemeinsam mit Catriona Shaw und Albert Pöschl gegründete Trio Queen of Japan zuletzt als poppigstes von Platzgumers diversen musikalischen Unternehmungen erwiesen. Das Konzept ist simpel: Man nehme allgemein bekannte Popsongs aus den 70ern und 80ern, drehe sie durch den gefälligen Elektro-Pop-Wolf, versehe das Ganze mit einer gewissen Sleazyness und stelle es in trashigen Kostümen auf die Bühne.
Schlaue Fake-Identitäten
Mit Karaoke hat das Ganze erfreulich wenig zu tun; für diese alkoholgeschwängerte Mischung aus Emphase und einem mehr oder weniger bewussten Sich-lustig-machen über abgedroschene alte Hadern sind Queen of Japan eindeutig zu schlau. Koneko, Jo Ashito und Jason Arigato, wie die drei sich in ihrer Fake-Identität nennen, verzichten auch auf den semi-ironischen Zugang des "So schlecht, dass es schon wieder gut ist". Trotz der gelegentlich hörbaren Distanziertheit ihrer Interpretationen wirkt es doch so, als würden Queen of Japan all die gecoverten Stücke wirklich mögen.
Durch das Nebeneinander von Zeugs, das im pophistorischen Kanon durchaus als "wertvoll" gilt ("Cold Blooded" von Rick James oder "Seedy Films" von Soft Cell etwa), und vermeintlichem Trash von Abba, Right Said Fred, Duran Duran & Co heben sie die höchst unsympathische Hierarchie auf, die gemeinhin zwischen "objektiv gutem" Pop und jenen Sachen herrscht, die bestenfalls in der leidigen Kategorie der "peinlichen Lieblingslieder" vorkommen dürfen. Queen of Japan brauchen jedenfalls kein Stadium fortgeschrittener Trunkenheit, um "The Winner Takes It All" für einen der berührendsten Popsongs ever zu halten.
Die Halbwertszeit subkultureller Gags
Head Rush (Echokammer/Hoanzl/Trost) leidet als zweites Album der Band nur leider ganz eindeutig unter dem mangelnden Novelty-Effekt. Als Debüt wäre es ein unterhaltsamer und gelungener Partyspaß, als Nachfolger zu Nightlife in Tokyo erweckt es aber zuweilen den unbefriedigenden Eindruck der seriellen Fertigung. Und letztlich ist die Halbwertszeit dieser Coverversionen im Vergleich zu ihren Originalen doch relativ gering (von Glücksmomenten wie "I was made for loving you" einmal abgesehen, das kürzlich auch auf der herrlichen 2-many-dj’s-Mix-CD As Heard on Radio Soulwax Pt.2 verewigt wurde).
"Wickie, Slime & Paiper" ist in diesem Zusammenhang durchaus als warnendes Beispiel dafür, wie sich ein subkultureller Gag (das erste Buch des späteren Multimediaunternehmens wurde ja sogar im Rhiz präsentiert) in eine dümmliche Regressionsmaschinerie verwandeln kann. Davor sind Queen of Japan zwar ohnehin weitgehend gefeit; ob ihr Schmäh noch einmal richtig zünden kann, ist allerdings fraglich.
Wie es sich für den Musicmaniac Platzgumer gehört, hat er aber ohnehin schon ein neues Projekt am Start: Für das Duo mit seiner Queen-of-Japan-Partnerin liefert er gleichsam eigenwillige wie relaxte Elektroniksounds, während Shaw in ihrer distanzierten Coolness für den prägnanten Sprechgesang sorgt. Ihr als LP und Mini-CD erscheinendes Debüt Miss Me (Doxa/Ixthuluh) hat somit zwar vordergründig etwas weniger Hitpotenzial, jedenfalls aber mehr Zukunft als Queen of Japan. (Malmö,2002)

QueenOfJapan's NME review 07 2002

 

Nachtstrom vs Platzgumer - Cantates Pro Mortuum
Sehr dark, wie der Titel schon andeutet, erhaben und mächtig, wie eine Schwarzwälderkirschtorte aus regenwurmnassem Humus (ok, ja mach schon 45...) …also Drum and Bass Hechseleien mit einfachen Beats aber effektiven digitalen Metaeffekten zu dunklen etherischen Samples auf der A, noch darkere Sounds mit nahezu operettenartigen Scifi-Synth Einlagen auf der B Seite. Aber irgendwie fehlt den Tracks die letzte Größe, die sie auf dem Floor einsetzbar machen würde, und das bisschen Irrsinn mehr um sie für Leute am Rande des Wahnsinns zu einer Heimat zu machen. Muss ja nich immer alles wohin passen. Dennoch schön. (De:bug)

 

Hans Platzgumer : Catriona Shaw: Miss Me
Keine Ahnung, wieso mich das hier immerzu an Lydia Lunch zur "Queen of Siam"-Phase erinnert. Vielleicht wegen der kultivierten Schwüle?
Hans Platzgumer und Catriona Shaw schlängeln sich durch einen Leftfield-Blue Eyed-R&B mit europäischer Elektronika-Zersetzung, der ganz dreist behauptet, von Missy Elliott und Autechre echt viel mehr gelernt zu haben als Vogels/ Lidells Super_Collider, dass man jeden crunchgefederten Bass und jedes weggeglitchte Melodieelement doppelt kritisch unter die Lupe nimmt. Und höre da: Das schmiert einem ganz schön diamantenversetzt den Teer ums Maul, dass man sich ständig die Lippen reibt, weil das hier so offensichtlich aus einem Im-Dreck-Wühlen ein In-Seidenlaken-Schlafen zimmert. Früher nannte man mich Schwarzer Panther: Jeep, der Schwarze Panther mit den Stollentatzen, daran erinnere ich mich gerade. Aus unerfindlichen Gründen? (De:bug)